27.10.2025 InfectoGnostics
Forschungscampus InfectoGnostics startet in dritte Förderphase
Mit bis zu acht Millionen Euro für sieben neue Projekte fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt in den nächsten vier Jahren den Forschungscampus InfectoGnostics. Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft für innovative Lösungen in der Infektionsdiagnostik startet damit in seine dritte und finale Phase der Förderinitiative „Forschungscampus“.
Der Forschungscampus InfectoGnostics wird seit Oktober 2025 für weitere vier Jahre durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Initiative „Forschungscampus“ gefördert. Dieser Entscheidung ging eine Bewertung durch eine Jury voraus. Sie würdigte insbesondere die strategische Weiterentwicklung des Forschungscampus sowie dessen Beitrag zur klinischen Translation von neuartigen Diagnostiklösungen.
Seit über elf Jahren bringt der Forschungscampus InfectoGnostics in Jena bereits starke Partner aus Wissenschaft, Industrie und Klinik unter einem Dach und auf Augenhöhe zusammen. Das gemeinsame Ziel: Infektionskrankheiten schneller und gezielter diagnostizieren, Antibiotikaresistenzen noch vor einer Therapie erkennen und innovative Forschungsergebnisse in praxisnahe Lösungen überführen.
„Wir freuen uns über die große Wertschätzung durch eine hochrangig besetzte Experten-Jury. Die dritte Förderphase gibt uns die Möglichkeit, unsere erfolgreichen Strukturen weiter auszubauen, neuartige Diagnostiklösungen gezielt in die medizinische Versorgung zu überführen und die Partnerschaft zu verstetigen“, so der Forschungscampussprecher Professor Jürgen Popp. „Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung globaler Gesundheitsherausforderungen wie Antibiotikaresistenzen – mit konkretem Nutzen für Patienten und das Gesundheitssystem.“
In sieben neuen Projekten zur Diagnostik der nächsten Generation
Der Forschungscampus InfectoGnostics startet in der dritten Förderphase sieben neue Leitprojekte, die sich mit zentralen Herausforderungen der modernen Infektionsdiagnostik beschäftigen. Geplant sind unter anderem molekulare Schnelltests für Pflegeeinrichtungen zur frühzeitigen Erkennung von Durchfallerregern. Das hilft dem Personal, spezifischer Reinigungs- und Hygienemaßnahmen auch frühzeitig umzusetzen. Ein anderes Projekt entwickelt quantitative Vor-Ort-Tests zur Bestimmung von drei Entzündungsmarkern. So sollen mit dem Smartphone auslesbare Streifentests entstehen, die eine Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Infektionen und eine Abgrenzung von anderen Entzündungsursachen ermöglichen.
Ein weiteres Vorhaben entwickelt ein innovatives PCR-Verfahren für die Erregerdiagnostik aus zellfreier DNA weiter. Damit wird zellfreie DNA, also kleinste Mengen von DNA, die sich nach dem Tod einer Zelle im Blutstrom oder Urin finden lassen, zur Diagnostik sonst schwer identifizierbarer Erkrankungen wie Pilzinfektionen der Lunge (Aspergillose) oder infektiöser Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) genutzt. Zudem wird ein Raman-spektroskopisches System zur Analyse der Immunantwort erforscht: Dieses photonische Verfahren nutzt winzige Wellenlängen-Verschiebungen im Streulicht, um die Charakterisierung von T-Zellen (spezialisierte weiße Blutkörperchen) direkt am Patienten zu ermöglichen. Das Ergebnis zeigt beispielsweise, ob T-Zellen durch eine Infektion aktiviert wurden. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Entwicklung automatisierter Organ-on-Chip-Plattformen. Diese Labormodelle erlauben die Nachbildung der komplexen mikroarchitektonischen und funktionellen Eigenschaften humanen Gewebes. Solche Nachbildungen von Organfunktionen können als diagnostisches Werkzeug genutzt werden, um die Wirksamkeit von Substanzen gegen bakterielle Erreger zu testen und so bei der Entwicklung neuer wirksamer Antibiotika zu helfen.
Alle Projekte sind darauf ausgelegt, diagnostische Technologien direkt in die Versorgung zu bringen. Ein begleitendes allgemeinmedizinisches Transferprojekt unterstützt dies. Es denkt die regulatorische, klinische und wirtschaftliche Umsetzung von Anfang an mit. So stärkt der Forschungscampus InfectoGnostics seine Rolle als Wegbereiter für praxisnahe und gesellschaftlich relevante Diagnostiklösungen.
Rückblick: Zweite Phase legte Basis für Innovation und nachhaltige Strukturen
Die bis Ende September 2025 laufende zweite Förderphase widmete sich dem Aufbau offener Technologieplattformen, der Erweiterung von gemeinsam nutzbaren Forschungsinfrastrukturen sowie einer zunehmenden Einbindung von Endanwendern und externen Stakeholdern, um Diagnostikprodukte in die Praxis zu überführen. Viele Entwicklungen aus dem Forschungscampus sind bereits in klinischen Studien erprobt oder zu Demonstratoren und marktfähigen Produkten weiterentwickelt, etwa im Bereich digitaler PCR, Schnelltest-Anwendungen oder Abwasserüberwachung.