Forschungscampus ARENA2036

Software, die bewegt: Intelligente Roboternavigation für die Industrie

Mobile Roboter bewegen sich heute sicher und flexibel durch industrielle Umgebungen. Möglich wird das durch intelligente Navigation und Software, die Forschungsergebnisse in die Praxis überträgt. NODE Robotics und der Forschungscampus ARENA2036 treiben diese Entwicklung gemeinsam voran.

Ein Mitarbeiter steuert einen Roboter von NODE Robotics in einer groß wirkenden recht leeren Halle.
© NODE Robotics GmbH / Joshua Balz

Wer heute durch den Forschungscampus ARENA2036 in Stuttgart geht, trifft auf mobile Roboter, die sich scheinbar selbstverständlich durch eine industrielle Umgebung bewegen. Sie weichen Personen aus, ändern ihre Routen bei Bedarf und teilen sich Wege und Engstellen mit manuellen Fahrzeugen und Menschen. Hinter dieser vermeintlichen Selbstverständlichkeit steckt jahrelange Entwicklungsarbeit – und ein Umfeld, in dem Forschung und industrielle Praxis bewusst zusammenkommen.

NODE Robotics, 2020 in Stuttgart gegründet, ist seit seiner Entstehung eng mit dem Forschungscampus ARENA2036 verbunden. Für das Unternehmen ist der Campus nicht nur ein Platz zum Arbeiten, sondern Entwicklungsraum, Testfeld und Treffpunkt zugleich. Das Unternehmen entwickelt Software für mobile Roboter, die überwiegend in intralogistischen Prozessen in Lager- und Produktionsumgebungen eingesetzt werden. Die Roboter übernehmen primär Transportaufgaben für Güter, Paletten und Gitterboxen und unterstützen damit einen effizienten und zuverlässigen Materialfluss.

Der Forschungscampus als Entwicklungsraum

Die Wurzeln von NODE Robotics liegen in einer Forschungsgruppe des Fraunhofer IPA (Institut für Produktionstechnik und Automatisierung), die anwendungsnahe Industrie- und Forschungsprojekte im Bereich mobiler Robotik im Forschungscampus ARENA2036 bearbeitete. Dabei zeigte sich früh ein wiederkehrendes Muster: Während in der Forschung bereits leistungsfähige Verfahren zum Lokalisieren, Navigieren und Koordinieren mobiler Roboter verfügbar waren, fanden sie in der industriellen Praxis nur begrenzt Anwendung. Viele Systeme waren stark vorstrukturiert und ließen sich nur schwer in andere Prozesse integrieren. Das wollten Dr. Stefan Dörr-Laukien, Lukas Teichmann und Jannik Abbenseth mit der Gründung von NODE Robotics ändern. Sie wollten mobile Roboter einfacher nutzbar machen, ihre Einsatzmöglichkeiten zu erweitern und gleichzeitig den Bedarf an fester Infrastruktur zu reduzieren. Erste Industrieprojekte bestätigten früh, dass hierfür ein konkreter Bedarf bestand.

Das Unternehmen zog kurz nach der Gründung 2020 in den Forschungscampus ARENA2036. Da fand das Team vor allem ein industrielles Umfeld, in dem es neue Ansätze unmittelbar erproben konnte. Es entstand ein enger Austausch mit anderen Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen. Die Kombination aus räumlicher Nähe, offener Zusammenarbeit und praktischem Testen prägte die frühe Entwicklung des Unternehmens maßgeblich. „Für uns war es wahnsinnig wertvoll, neue Softwarefunktionen nicht nur im Labor testen zu können, sondern wirklich in einem Umfeld, wie es der Forschungscampus ARENA2036 bietet“ sagt Mitgründer Dr. Stefan Dörr-Laukien. „Wir haben direkt Rückmeldungen bekommen und konnten diese einbauen.“

Beim Start geholfen hat auch ein EXIST-Gründungsstipendium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Das Industry-on-Campus-Konzept am Forschungscampus ARENA2036 erwies sich allerdings als zentraler Beschleuniger. Hier können die NODE-Mitarbeitenden Roboter, Software und Prozesse direkt testen, anpassen und bewerten. Industriekunden erleben Anwendungen im Betrieb und geben frühzeitig Feedback. So entstehen Lösungen, die sich bereits während der Entwicklung an konkreten Bedarfen orientieren. „Darum sind wir auch heute noch aus Überzeugung ein Teil des Forschungscampus ARENA2036“, sagt Mitgründer Lukas Teichmann.

Etablierung in der industriellen Praxis

NODE Robotics beschäftigt heute 22 Mitarbeitende. Über 1.500 mobile Roboter befinden sich in der Produktion im Einsatz, unter anderem bei BMW. Weitere Projekte hat das Unternehmen in unterschiedlichen Branchen umgesetzt - in der Krankenhauslogistik, in Laborumgebungen, im Einzelhandel sowie in verschiedenen Lagerumgebungen. Die Software unterstützt mehr als 50 unterschiedliche Robotertypen und ermöglicht herstellerunabhängige Flotten, die sich schrittweise erweitern lassen. Dieser Ansatz erlaubt es Unternehmen, verschiedene mobile Roboter nach und nach bei sich zu integrieren, ohne sich langfristig an einzelne Hersteller zu binden.

Dort, wo es für den operativen Einsatz sinnvoll ist, geht NODE Robotics bewusst über reine Software hinaus. 2025 entwickelte das Unternehmen ein eigenes System, das die Echtzeit-Positionsdaten von Gabelstaplern und anderen Flurförderfahrzeugen sichtbar macht und in das zentrale Flottenmanagement einbindet. In vielen Betrieben fahren autonome Roboter und manuelle Fahrzeuge gleichzeitig, ohne dass beide Seiten ein gemeinsames Lagebild haben. Das führt zu unnötigen Wartezeiten, Engstellen und schlecht planbaren Übergaben, weil die Leitsteuerung nur die Roboter „sieht“ und manuelle Fahrzeuge in der Koordination fehlen. Das System lokalisiert auch manuelle Fahrzeuge in Echtzeit, macht sie für alle Beteiligten sichtbar, so dass sie sich zentral in die Abläufe einplanen lassen. Das reduziert typische Blind Spots im Betrieb und ermöglicht es, gemischte Flotten effizienter zu koordinieren.

Der Forschungscampus als Brücke in die Anwendung

Die Entwicklung von NODE Robotics zeigt, welche Rolle der Forschungscampus ARENA2036 für den Transfer von Forschung in die industrielle Anwendung spielen kann. Durch die Kombination aus gemeinsamer Infrastruktur, enger Zusammenarbeit und realitätsnaher Erprobung entstehen Lösungen, die wissenschaftlich fundiert und zugleich praxistauglich sind. Das Start-up steht damit beispielhaft für den Ansatz der Förderinitiative „Forschungscampus“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt, langfristige Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern und Innovationen frühzeitig in die Anwendung zu bringen.