Forschungscampus ARENA2036
„Forschungscampus ist irgendwie erfrischend fürs Gehirn.“
Am Forschungscampus ARENA2036 arbeiten Christina Stinner und Katharina Frey im Projekt CARpulse an der Mobilität der Zukunft. Sie schätzen vor allem die Freiheit, die ihnen der Forschungscampus gibt.
Christina Stinner, 37 Jahre alt, ist Interface-Designerin bei DXC Technology in Leinfelden. Katharina Frey, 35 Jahre alt, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) im Institut für Fahrzeugkonzepte in Stuttgart. Beide zusammen untersuchen im Forschungscampus ARENA2036 im Projekt CARpulse Möglichkeiten für selbstfahrende Fahrzeuge.
Was ist genau Ihrer beider Aufgabe im Projekt CARpulse?
Katharina Frey: Wir gehen der Frage nach, was der Mensch in Zukunft braucht, um sich von A nach B zu bewegen, wenn er das Fahrzeug nicht mehr selbst fährt. Hat er trotzdem immer noch sein eigenes Fahrzeug oder geht es eher Richtung Shared Mobility? Wie kommuniziert oder interagiert das Fahrzeug mit dem Menschen, der es nutzt, und mit der Umwelt? Wie sehen Sicherheitskonzepte aus? Wir reden ja nicht mehr von dem Auto, in dem man in Fahrtrichtung sitzt und auf dem Sitz angeschnallt ist. Wenn die Person das Fahrzeug nicht mehr selbst bedienen muss, kann sie ja in allen Arten und Weisen in diesem Fahrzeug sitzen. Auch das muss dann natürlich sicher sein.
Christina Stinner: Dabei haben wir im Gegensatz zu den Projekten in der Industrie nicht wirklich einen festen Rahmen. Die Arbeit ist explorativ und dadurch, dass sie so zukunftsorientiert ist, auch sehr kreativ. Zum Beispiel was meine Zuständigkeit, das Interface Design betrifft, also die Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Mensch: Kommuniziert der Insasse mit dem Fahrzeug über Displays, über Touchscreens, Gesten oder Sprache? Und wie sieht das dann aus? Damit beschäftigen wir uns. Oder auch mit der Frage, wie Menschen mit eingeschränkter Mobilität autonome Fahrzeuge nutzen können. In dieser Zielgruppe läuft gerade eine Umfrage. Wir legen ein großes Augenmerk auch auf die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Damit wollen wir uns etwas abheben, von anderen Projekten, die es im Bereich autonomes Fahren gibt. Wir wollen dafür sorgen, dass diese Zielgruppe solche Fahrzeuge auch nutzen kann.
Wie sind Sie denn beide zum Forschungscampus ARENA2036 gekommen?
Katharina Frey: Ich habe nach meinem Abitur meinen Bachelor in Maschinenbau gemacht. Dann habe ich den Master in Fahrzeug- und Motorentechnik angeschlossen, und war eine Weile in der Fahrwerksentwicklung bei einem Automobilhersteller tätig. Was mich dazu bewegt hat, aus der Industrie in die Forschung zu gehen, war, was auch Christina gesagt hat, dass wir hier nicht so reglementiert sind und in alle Richtungen denken dürfen. Bei der Entwicklung von Fahrwerken hieß es ganz oft, „das haben wir schon immer so gemacht“. Mit diesem Denken kann man nichts verbessern. Ich bin dann zum DLR gewechselt und hier beim Forschungscampus ARENA2036 gelandet.
Christina Stinner: Ich habe Fahrzeug Interior Design studiert, ein Studiengang der in Reutlingen angeboten wird. Jetzt bin ich seit über zehn Jahren in der Automobilbranche und über meinen Arbeitgeber DXC Technology hier im Forschungscampus ARENA2036 gelandet. Wir können hier wirklich viel ausprobieren, das ist schön.
Frau Frey, Sie haben gerade gesagt, Sie sind mit dem Wechsel zum DLR auch beim Forschungscampus gelandet. Das war also eher nicht selbstgewählt…
Katharina Frey: Doch. Als ich 2019 beim DLR angefangen habe, war das schon im Forschungscampus ARENA2036 aktiv und das war auch schon Thema bei der Ausschreibung meiner Stelle und im Bewerbungsgespräch. Also ehrlich gesagt, war das Teil meiner Motivation.
Christina Stinner: Das war bei mir definitiv nicht so! (beide lachen) Ich wurde geschickt und hatte einfach nur Glück, dass ich jetzt hier bin.
Katharina Frey: Ich glaube, ich kenne keinen, der nicht gerne hier ist.
Christina Stinner: Der Forschungscampus lockert irgendwie das Gehirn auf und erfrischt.
Warum ist es denn für Ihre jeweilige Mutterorganisation interessant, im Forschungscampus ARENA2036 dabei zu sein?
Christina Stinner: Erstens ist das super für die Vernetzung und generell für Sichtbarkeit. Wir haben unten in der Halle einen Stand, an dem wir uns und unsere Kompetenzen präsentieren und unser Portfolio zeigen. Wir sind als IT-Unternehmen und Dienstleister in ganz unterschiedlichen Feldern tätig, an meinem Standort vor allem in der Automobilbranche. Hier im Forschungscampus haben wir praktisch eine ständige Messe. Es gibt Events, bei denen wir Demonstratoren zeigen können. Wir können ganz unkompliziert Leute und Firmen kennenlernen und Kontakte knüpfen.
Katharina Frey: Dadurch fällt es auch den einzelnen Unternehmen leichter, bilaterale Projekte zu generieren. Hier entstehen viele Projekte, weil man sich kennt und über Themen spricht. Dann starten kleine Schnellboot-Projekte, die die Firmen auch nochmal auf einem weiteren Weg miteinander verbinden. Das ist wertvoll für alle Projektpartner in so einem Forschungscampus.
Wie funktioniert Ihre Arbeit im Projekt CARpulse? Basteln Sie an Fahrzeugmodellen, sitzen Sie am Computer?
Katharina Frey: Sowohl als auch. Wir haben unsere Büroarbeitsplätze, wo wir dann am Schreibtisch sitzen und am Computer arbeiten. Wir haben aber auch unten in der Halle Hardware stehen: Eine Art Skateboard, auf dem das Fahrzeug aufbaut und eine so genannte Sitzkiste, als Basis für unseren Mixed Reality Demonstrator. Der verbindet die Realität, also Teile von dem echten Prototyp, mit der virtuellen Welt, die durch die VR-Brille (VR-virtual reality) sichtbar wird.
Christina Stinner: Wir können so ganz schnell ein Nutzerkonzept erstellen, auch visuell, das wir dann mit der VR-Brille direkt testen können. Damit können wir zum Beispiel prüfen, ob eine Fläche funktioniert oder intuitiv bedienbar ist. Wir wollen in dem Projekt zeigen, was alles möglich ist.
Sie beschäftigen sich dabei mit einer Zukunft, die gar nicht mehr so unvorstellbar ist. Es gibt schon Autos, die selbst fahren. Wie erleben Sie das?
Christina Stinner: Ich bin jetzt seit zehn Jahren in diesem Bereich als Interfacedesignerin tätig. Vor fünf Jahren haben wir ganz anders darüber gesprochen. Wie schnell das jetzt geht, ist schon verrückt und manchmal auch ein bisschen erschreckend. Aber es ist auch cool, ein Teil davon zu sein.
Was macht die Arbeit am Forschungscampus ARENA2036 besonders – mal abgesehen vom Inhalt?
Katharina Frey: Die kurzen, unbürokratischen Wege.
Christina Stinner: Es geht einfach vieles viel schneller, unaufgeregt und unkompliziert. Und was ich auch sehr schätze: Es ist alles auf Augenhöhe. Das erlebe ich in meinem industriellen Umfeld oft anders.
Katharina Frey: Das stimmt. Ich kann noch nicht mal sagen, wer Professor oder Doktor ist, weil wir uns eigentlich alle mit Vornamen ansprechen.
Nehmen Sie von dem, wie hier miteinander gearbeitet wird, etwas mit in Ihr industrielles Umfeld bzw. in den wissenschaftlichen Kontext beim DLR?
Katharina Frey: Das sind vielleicht eher praktische Dinge: Wir haben beim Forschungscampus ARENA2036 die Design Factory für Workshops. Von denen kann man methodisch unheimlich viel lernen – also auch für Workshops außerhalb vom Forschungscampus ARENA2036. Da habe ich gelernt, wie man Menschen zur Kreativität anregt, aber trotzdem zu einem Ergebnis kommt. Also ohne vor lauter Kreativität die Zeit und das Ziel aus dem Blick zu verlieren. Das nehme ich tatsächlich in meine andere wissenschaftliche Arbeit mit.
Christina Stinner: Was ich für mich persönlich mitnehme, ist dieses „out of the box“-Denken. Das sollte auch in der Industrie vermehrt in die Entwicklungen einfließen, aber am Ende gibt es da doch Vorgaben, die das erschweren.
Katharina Frey: Besonders sind auch die vielen Fachrichtungen hier. Jeder bringt sein eigenes Know-how mit. Das wird hier unter einem Dach vereint. Neben DXC Technology, DLR und Mercedes Benz sind auch die Hochschule der Medien und Nokia mit an Bord - also wirklich ganz unterschiedliche Player. Die Themen können also aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.
Christina Stinner: Das interdisziplinäre Arbeiten ist ja schon an der Tagesordnung – auch in meinem Unternehmen. Aber wenn ich interdisziplinär arbeite, dann arbeite ich mit den Leuten, die vor mir etwas machen und mit denen, die nach mir an der Reihe sind. Hier geht das in alle Richtungen: Vorne, hinten, oben, unten.
Gibt es Momente, in denen Sie denken, das ist jetzt „typisch Forschungscampus“?
Katharina Frey: Es gibt ganz viele Dinge, die ich typisch finde. Zum Beispiel der Adventskalender letztes Jahr: Da hat jeden Morgen ein anderes Unternehmen einen kleinen Pitch gemacht und eine Idee, eine Innovation vorgestellt. Und ein paar davon wurden auch weiterverfolgt.
Christina Stinner: Für mich ist es einfach das komplette Umfeld: Wenn zum Beispiel einfach ein Roboterhund an mir vorbeiläuft. Das ist schon auch typisch.
Katharina Frey: Das ist wirklich typisch. Für uns ist das schon normal von Robotern verfolgt zu werden, ich glaube für Menschen, die das so nicht kennen, kann das irritierend sein.